Neue Grenzen erkunden: Der Aufstieg des Satelliteninternets und seine globale Auswirkung

19.02.2024 | Christian Kreutz
Starlink-Satellitenkonstellation in niedriger Erdumlaufbahn
https://satellitemap.space/

Früher war das Satelliteninternet langsam und wurde von wenigen Menschen genutzt. Durch verschiedene Initiativen, wie etwa Starlink, erlebt das Satelliteninternet nun ein Comeback. Es dient als entscheidende Verbindung, um entlegene Ecken der Welt zu erreichen. Diese Technologie ist für die Kriegsführung in der Ukraine von entscheidender Bedeutung und verspricht, Gebiete ohne Internetzugang abzudecken. Doch die Erschwinglichkeit in abgelegenen Gebieten ist entscheidend für dessen Verbreitung.

Kann das Satelliteninternet auch eine Option sein, um Internetzensur zu umgehen? Mit nur einer kleinen mobilen Schüssel – oder bald nur einem Smartphone – könnten Nutzer überall Einschränkungen umgehen. Die Machbarkeit dieses Ansatzes hängt bisher stark von privaten Unternehmen wie Starlink oder OneWeb ab, und ob diese ihre Dienste in Ländern mit Zensurpraktiken anbieten werden.

Aber auch China plant, eine Konstellation von 12.992 Satelliten zu starten, und schließt sich damit Russland und der EU mit Projekten wie IRIS2 an, um eigene Satelliteninternetlösungen bereitzustellen. Doch während sich diese Pläne entfalten, wird der niedrige Erdorbit (LEO) zunehmend überfüllt. Tausende von Satelliten sind bereits auf der niedrigen Umlaufbahn und Starlink allein plant, bis zu 30.000 weitere Satelliten in die Erdatmosphäre zu schicken. Diese schnelle Expansion wirft Fragen nach der Nachhaltigkeit des Weltraums als Ressource auf.

Wie wird all dies geregelt? Laura DeNardis hat einen aufschlussreichen Bericht über die interplanetare Internet-Governance geschrieben, der darauf hinweist, dass bestehende Weltraumverträge eine Rolle bei der Regulierung des Internets jenseits der Erde spielen könnten. Dieses aufkommende Gebiet der Governance wird entscheidend sein, um den überfüllten Himmel zu verwalten und sicherzustellen, dass das Satelliteninternet eine praktikable und zugängliche Option für alle bleibt.

Die deutsche Stiftung "Stiftung für Wissenschaft und Politik" (SWP) bietet in ihrem Forschungspapier faszinierende Szenarien bis 2035:

  • Der Einsatz von Satelliteninternet erlebt 2026 einen großen Durchbruch, als die erste Generation neuer "satellitenbereiter" Mobilgeräte auf den Markt kommt.
  • Bis 2035 könnten fast 60 Prozent des weltweiten Internetdatenverkehrs potenziell durch diese niedrig fliegenden Satellitenkonstellationen geleitet werden.
  • Bis 2035 könnten 1 Milliarde Menschen in Entwicklungsländern zum ersten Mal in ihrem Leben über die neuen Satellitenkonstellationen Zugang zum Internet erhalten. Stand 2024 fehlt fast 3 Milliarden Menschen noch der Zugang.
  • In einigen Jahren könnten einige wenige private Unternehmen wie Starlink, zusammen mit staatseigenen Unternehmen (z.B. China), die Mehrheit der globalen Internetinfrastruktur kontrollieren.

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