Die Angst-Generation - Jugend, Smartphones und der Umgang mit den Herausforderungen

13.05.2024|Christian Kreutz

Jonathan Haidt hat ein viel diskutiertes Buch mit dem Titel "The Anxiety Generation" veröffentlicht, in dem er überzeugende Beweise dafür liefert, wie sich das Verhalten von Jugendlichen mit dem Aufkommen von Smartphones verändert hat. In einer interessanten Diskussion mit Tyler Cowen in seinem Podcast vertreten die beiden sehr unterschiedliche Standpunkte. Meiner Meinung nach liefert Haidt stichhaltige Belege für die negativen Auswirkungen auf Jugendliche, wenn sie sich zum Beispiel in einem endlosen Strom von TikTok-Videos "verlieren". Wirft man einen Blick auf die PISA-Bildungsstatistiken der jüngsten Erhebung, so lässt sich auch eine "überraschende" Korrelation zwischen dem Rückgang der Lese- und Mathematikkompetenzen und der massenhaften Verbreitung von Smartphones im Jahr 2012 feststellen (siehe Grafik unten).

Jeder Elternteil kann eine Geschichte darüber erzählen, wie schwierig es ist, den Zugang zu Smartphones für Jugendliche zu begrenzen. Viele sorgen sich, dass dieser hohe Konsum von sozialen Medien das Sozialverhalten verändert. China hat seine ohnehin schon strengen Vorschriften noch weiter verschärft:

Die Regeln sind unglaublich spezifisch: Kinder unter acht Jahren dürfen beispielsweise nur 40 Minuten pro Tag Smart-Geräte nutzen und nur Inhalte über "Grundschulbildung, Hobbys und Interessen sowie geisteswissenschaftliche Bildung" konsumieren; wenn sie acht Jahre alt werden, kommen sie in den Genuss von 60 Minuten Bildschirmzeit und "Unterhaltungsinhalten mit positiver Anleitung".

Trotz ihrer Möglichlkeiten zur globalen Zusammenarbeit hat Social Media zweifellos zu vielen Herausforderungen geführt, wie etwa Desinformation. Es ist schon für Erwachsene schwierig, durch diese Herausforderungen zu navigieren, geschweige denn für Kinder. Wir befinden uns in einer Adaptionsphase, in der wir herausfinden müssen, wie wir besser mit neuen Technologien umgehen und effektive Wege finden müssen, Kinder und Jugendliche schrittweise an das Internet heranzuführen. Nicht nach den strengen chinesischen Modell, aber definitiv mit viel mehr Schutz für Kinder (z. B. vor Spielsucht oder Cybermobbing) und besseren leitenden Prinzipien. Wir müssen aber auch die Wünsche der Jugendlichen in Bezug auf soziale Medien besser verstehen, wie Danah Boyd einmal sagte: "Jugendliche sind süchtig nach sozialen Austausch, nicht nach Bildschirmen."

Grafik von der OECD