Filme enthüllen unsere emotionale und irrationale Beziehung zur künstlichen Intelligenz

15.05.2024|Christian Kreutz

Filme sind ein faszinierendes Fenster in den Zeitgeist unserer Gesellschaft. Sie spiegeln unsere Ängste und Sehnsüchte wider und konfrontieren uns mit Szenarien, die uns zum Nachdenken anregen. Der Film "Civil War" beispielsweise zeichnet ein erschütterndes Bild davon, wie schnell eine Nation in einen Bürgerkrieg abgleiten und moralische Standards verfallen können.

Doch können Filme auch dazu beitragen, ein breiteres Bewusstsein für die Herausforderungen zu schaffen, die der technologische Fortschritt mit sich bringt? Ein Beispiel aus den 80er Jahren ist der Film "WarGames", der die Gefahren von Cyberangriffen thematisierte und angeblich sogar die Reagan-Regierung dazu veranlasste, die erste Cybersecurity-Verordnung in den USA umzusetzen.

Filme eignen sich hervorragend, um technologische Entwicklungen darzustellen, die in Zeiten des Hypes oft schwer greifbar erscheinen. Wie es so treffend heißt: Wir überschätzen die kurzfristigen Auswirkungen neuer Technologien und unterschätzen ihre langfristigen Folgen. Ein Paradebeispiel dafür ist die künstliche Intelligenz. Noch vor wenigen Jahren galt eine Beziehung zu einem virtuellen Partner, wie sie im Film "Her" gezeigt wurde, als reine Science-Fiction. Heute hingegen bauen Menschen auf Plattformen wie Replika "Freundschaften" mit Chatbots auf.

Doch so sehr Filme uns einen Blick in eine mögliche Zukunft gewähren, so leicht können sie uns auch ein verzerrtes Bild von künstlicher Intelligenz vermitteln. Die faszinierenden Ergebnisse der Doktorarbeit der deutschen Forscherin Nadine Hammele, die 71 KI-Filme analysierte, zeigen, dass die meisten Filme einen Trend zur extremen Vermenschlichung von KI aufweisen. Dies könnte auch erklären, warum viele Menschen von den Antworten großer Sprachmodelle a la ChatGPT begeistert sind, die intelligent und einfühlsam wirken.

Hammele stellte fest, dass KI in fast allen Filmen als eine dem Menschen ebenbürtige Intelligenz dargestellt wird, sowohl in analytischer als auch in sozialer Hinsicht. Filme, die sich mit den Grenzen und Vorurteilen von Machine-Learning-Modellen auseinandersetzen und damit die realen Herausforderungen bei der Entwicklung und Implementierung von KI beleuchten, sind hingegen rar.

Es gibt nur wenige Filme, in denen eine "schwache" oder limitierte künstliche Intelligenz vorkommt, die eher dem aktuellen Stand der KI-Technologie entspricht. Auch wenn es nicht immer ein spannendes Film-Drama ergibt, könnte die Illustration der Grenzen und Vorurteile von Machine-Learning-Modellen wertvolle Einblicke über die realen Herausforderungen bei der Entwicklung und Implementierung von KI liefern. Zum Beispiel ist es wichtig, die Folgen eines potenziell zuverlässigen "traditionellen" maschinellen Lernmodells, das auf bestimmten Datensätzen trainiert wird, um genau definierte Aufgaben zu erfüllen, mit den oft undurchsichtigen und unvorhersehbaren Ergebnissen zu vergleichen, die von großen Sprachmodellen wie ChatGPT erzeugt werden."

Die Forschung von Hammele zeigt, dass wir viel zu wenig über die kleinen Veränderungen diskutieren, die KI mit sich bringt und die schließlich zu größeren Ergebnissen führen. Zum Beispiel habe ich über die Auswirkungen der generativen KI auf die Freelancer-Branche geschrieben.